Pulverkammer in der Kapsel

Heute bin ich am vorletzten Gültigkeitstages meines Japan-Rail-Pass nach Kumamoto gefahren, einer faszinierenden Stadt. Ich komme bereits um 9 Uhr an und fahre gleich mit der Tram zur Burganlage, welche eine der schönsten und größten in Japan sein soll. Als ich mir an der Touristeninfo eine Karte geben lasse, erfahre ich jedoch, dass genau diese Burg bei einem Erdbeben vor ein paar Jahren derart schwer beschädigt wurde, dass man nur einem Pfad außerhalb der Mauern laufen darf. Man hofft, dass die Burg nach Aufbauarbeiten in 20-30 (!) Jahren wieder für den Tourismus freigegeben werden kann. Von außen sieht man deutlich die Schäden, auch die inneren Mauern und Türme sind betroffen. Angrenzend ist ein Arboretum mit schönen Bonsais.

Dennoch mache ich ein paar schöne Bilder und gehe zum Handwerksmuseum. Dazu muss man sagen, dass das traditionelle Handwerk in Japan trotz der Industrialisierung einen sehr hohen Stellenwert genießt. In dem Museum mit einem sehr ansprechenden Verkaufsladen, der fast schon ein wenig an das Manufactum erinnert, finden sich Werkstücke aus handgeschmiedetem Eisen/Stahl (Gartenwerkzeuge, (Damaszener-)Messer), Holz (Möbel, Essbestecke, Schalen, usw.), handgeschöpftes Papier, verschiedenartige Keramikgegenstände, Stoffe, Gold- und Silberarbeiten. Teilweise sind einige Herstellungsschritte mit Bildern dokumentiert. Es sind wirklich sehr schöne Stücke dabei, so dass es auch eine Quelle der Inspiration ist, da man z.B. in München auch viel in offenen Werkstätten selber machen kann (HEI, Kursschmiede).

Beim anschließenden Bummel in den großen Arkaden esse ich zu Mittag und trinke anschließend im Andcoffeeroasters einen Kaffee. Dort kann man beim Rösten des Kaffees zuschauen und ihn in den verschiedensten Variationen auch probieren. Das ist nicht so üblich in Japan, weil der Kaffee meist nicht in denselben Variationen wie bei uns angeboten wird. Ich trinke einen Latte und bin begeistert! Der Kaffee ist offensichtlich mild geröstet und schmeckt entsprechend. Für Besucher von Kumamoto ist der Besuch hier eigentlich ein Muss.

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Unweit ist das Goa, das nach Räucherstäbchen riecht und neben allen möglichen Utensilien zum Selbermachen einer Halskette auch Pfeifen für „Ihr-wisst-schon-was-man-in-Goa-süßliches-raucht“ anbietet (aber bestimmt nur die Pfeifen…). Im Chocolat am anderen Ende der Arkaden gibt es – Nomen est omen – einen leckeren Schoko-Crep mit einer heißen Schokolade. Das Interieur ist klasse, in diesem Fall aber absolut unjapanisch. Direkt am Ende der Arkaden steht ein Gebäude, das von außen wie ein Freimaurertempel aussieht. Irgendwie dunkel, ohne Schilder. Ich erlaube mir die Tür zu öffnen und finde einen sehr großen und stylischen Friseursalon vor (aber tatsächlich recht dunkel). Es ist erstaunlich, wie viele verschiedenartige Läden es in den Arkaden und angrenzenden Straßen/Gassen gibt.

Der Hit ist aber, dass mein Hotel (wohl rein zufällig) Teil der Arkaden ist. Ich habe mir schon länger vorgenommen, auch mal in einem echten Kapselhotel zu übernachten. Das erfüllt sich jetzt, wenngleich die Kapseln auch nicht aus Plastik sind. Privatsphäre, sofern möglich, hat man durch einen Vorhang und zur Sicherheit erhält man gleich einen Paar Ohrenstöpsel gratis. Wenn es nicht lauter wird als eigentlich fast alle bisherigen Nächte in Japan ist das ok. Ich habe ja meine eigenen Ohrenstöpsel dabei (die ich dringend für alle Reisenden empfehle, es sei denn, man schläft in wirklich teuren Hotels). Beim Checkin werde ich auch auf den „Powder Room“ aufmerksam gemacht. Vielleicht möchte ich mich ja noch abschminken.

Nachtrag 23. November (der Morgen nach der Kapsel)

Ich habe durchwachsen geschlafen. Meine Länge passte zwar gerade noch in die Kapsel, aber aufgrund der Menge an Leuten, die da übernachten, ist es zum einen durch die Menschen lärmig, zum anderen laufen massig Klimaanlagen. Diese Geräusche kann man mit Ohrenstöpsel aber noch ganz gut herausfiltern. Was ich jedoch nicht wusste: es wird die ganze Nacht Meditationsmusik gespielt, und zwar die gleiche, over and over again, wohl um den Leuten beim Einschlafen zu helfen. Das konnte ich auch recht deutlich mit Ohrenstöpseln hören. Das erinnert mich an den Film Otto: „Haaaaaaraald“ (wer den noch kennt…).

3 Gedanken zu „Pulverkammer in der Kapsel

  1. Hallo Dominik,
    die Kapseledelvariante stell ich mir ja noch groß genug für Dich vor, aber die auf Wiki erscheint mir doch recht schmal. Wie hast Du geschlafen?
    Tolle Reise, weiter so!
    Gruß, Daniel

  2. Hallo Dominik, mit Interesse verfolge ich Ihre Reise. Weiter so! Die Nacht in der Kapsel erinnert mich an meine Rotelreisen! Ein Gruß aus der Pfeivestlstr. Hannelore Bürkle

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