Mehr Vulkane

Am Nachmittag des 27.11. setze ich Sangeev an seinem Hotel in Kagoshima ab und besichtige danach noch ein wenig die Stadt, u.a. das Museum der Meiji-Restauration. Am nächsten Morgen bin ich um 7 Uhr am Fischmarkt und sehe zum ersten mal die ganze Handelskette eines Marktes. Vom Kutter am Kai werden die Fische entladen und gleich grob nach Gewicht in Container einsortiert. Anschließend wird wirklich jeder Fisch gewogen und weiter in Container aufgeteilt. Parallel finden zwei Auktionen statt. Der Auktionator hat eine große Glocke und sobald ein Angebot eingeht bzw. eine Kiste Fisch verkauft ist, läutet er diese. Ein wenig abseits steht ein kleiner Behälter mit Krebsen. Einer ist entwischt und krabbelt davon. Ich bin ein Schwein und mache einen Fischer aufmerksam. Der bedankt sich, fängt den Krebs ein und legt ihn zurück in die Kiste. Vielleicht wäre ja ansonsten ein Gabelstapler drüber gefahren. Mal ehrlich, der Krebs hätte es eh nicht bis ins Wasser geschafft. Danach gibt es Sushi zum Frühstück, welches besser als am Fischmarkt in Tokio schmeckt!

Derart gestärkt breche ich mit dem Auto in den Kirishima Nationalpark auf. Ich besichtige Kirishima-jingu, einem 1715 errichteten Tempel, und wandere anschließend um ein paar Kraterseen auf dem Ebino-kogen-Rundweg. Es ist eine sehr schöne Wanderung in einer offensichtlich durch Trockenheit geprägten Natur. In dem Ökomuseumszentrum am Parkplatz wird auf die Besonderheiten in der Tier- und Pflanzenwelt hingewiesen. Leider bekomme ich bei der Wanderung „nur“ Rotwild zu sehen.

Anschließend geht es zum Sakurajima, einem aktiven Vulkan mit ca. 1000 kleineren Eruptionen pro Jahr. Er bildet eine ziemlich runde Halbinsel. Einen richtig großen Ausbrauch gab es wohl zuletzt 1914, welcher ihn an das Festland angebunden hat. Heute ist er aber ruhig. An einem Parkplatz sammle ich ein wenig Aschesand in eine Tüte. Das ist so ein Ding von mir, dass ich von jedem Urlaubsort ein wenig Boden mitnehme. Das kommt dann in meine Blumentöpfe. Auch vom Unzen und Aso habe ich das gemacht.

An der Anlegestelle auf der zu Kagoshima gelegenen Seite gibt es einen mehrere Kilometer langen Lavapfad, den ich ca. 1 km weit gehe. Die sehr großen Lavabrocken, die derart weit vom Berg entfernt liegen, sind faszinierend. Was für ein Ausbruch muss das gewesen sein? Bei der Autofahrt habe ich bereits Lavagräben gesehen, in denen bei kommenden Ausbrüchen die Lava (hoffentlich) kontrolliert abgeleitet werden kann. Wieder zurück an der Fährstelle nehme ich ein Fußbad-Onsen. Sehr angenehm bei lauwarmem Meereswind in der untergehenden Sonne.

Gegen Mittag des folgenden Tages treffe ich in Beppu ein. Die Fahrt ist zwar recht lang, v.a. nachdem ich auch am Vortag sehr lange im Auto saß. Daher gehe ich gleich in das Bambusmuseum, welches mit sehr schönen Exponaten aufwartet. Erstaunlich, was man mit diesem Naturrohstoff alles machen kann.

Von da geht es zu den sog. Höllen. Das sind verschiedene Thermalquellen wie auch die für die Onsen. Allerdings sind sie sehr heiß bzw. von der mineralischen Mischung her nicht für ein Bad für Menschen geeignet. Sie haben je nach Inhaltsstoffe unterschiedliche Farben. Ein Becken wechselt sogar mehrfach am Tag die Farbe, je nachdem, welche Mineralien das heiße Wasser aus den Untergrund herauslöst. In einer der Höllen werden ihrer Haut wegen Krokodile gezüchtet. In einer anderen Hölle esse ich einen im heißen Dampf gegarten Maiskolben.

Anschließend begebe ich mich in ein Onsen. Es hat mehrere Becken, eines davon im Freien. Auch wird warmes Wasser durch 19 Rohre im Abstand von ca. 1 Meter in einer Höhe von ca. 3 Meter geleitet. Man kann sich darunterstellen und genießt damit eine natürliche Massage. Man muss aufpassen, dass man nicht zulange in den heißen Becken liegen bleibt, da es den Kreislauf anstrengt. Heute stelle ich fest, dass ich solange wie die Japaner drin gewesen bin, denn dieselben Leute, welche zeitgleich mit mir in das Onsen gingen, gehen auch später wieder mit mir hinaus. Nach dem Checkin im Hotel erfahre ich, dass es auch im Hostel ein Onsen gibt, natürlich nur ein Becken. Was sollte man auch sonst mit dem heißen Wasser machen, wenn es direkt unter dem Haus fließt?

Am Abend gehe ich aufgrund einer Empfehlung in ein best. Restaurant. Alleine, da das Hostel fast leer ist. Auf dem Rückweg sehe ich einen Friseur, welcher einen guten Eindruck macht. Es ist höchste Zeit für einen Haarschnitt. Es wird eine tolle Erfahrung. Der Service ist einfach super. Zeitweise kümmern sich 4 Leute um mich. Mir wird sofort alles abgenommen: Fototasche und Rucksack sowie die Jacke. Ich darf mir eine Frisur aus einem Buch auswählen, gleich danach wird mit dem Schneiden begonnen. In einem Fernseher neben dem Spiegel läuft Blade Trinity mit engl. Untertitel, dennoch versäume ich es nicht, einen ab und an kritischen Blick auf die Arbeit des recht jungen Friseurs zu werfen. Passt aber alles. Ein Gehilfe steht daneben und „assistiert“. Der Friseur muss nur die Hand ausstrecken z.B. mit einer Schere und sie wird automatisch und wortlos abgenommen.

Toll aber wird die anschließende Haarwäsche. Eine nette Japanerin wechselt den Friseur ab, klappt neben dem Spiegel einen Waschtisch aus der Wand, dreht meinen Stuhl und kippt die Lehne nach hinten. Dabei hält sie meinen Kopf. Ich muss praktisch nur still sitzen und darf mich entspannen. Nach der Haarwäsche bekomme ich eine Kopfmassage, dabei werden auch Nacken und Schultern „mitbehandelt“. Eigentlich haut sie mehr, als dass sie massiert. Aber ein liebes Haues! Nachdem alles perfekt sitzt, passt, wackelt und Luft hat, werde ich wie üblich von mind. 2 Japanern vor die Tür geleitet. Sie bedanken und verbeugen sich und warten, bis ich außer Sichtweite bin. So läuft das hier 🙂

Weil mir bei der Autofahrt mal ein Supermarkt aufgefallen ist (in den Städten gibt es fast nur kleine Tante-Emma-Ketten, welche immer dasselbe Angebot haben), kaufe ich dort ein paar Kleinigekeiten ein. An der Kasse bin ich aber völlig überrascht: ich werde gefragt, ob ich eine Tüte möchte! In den kleinen Läden muss man dagegen immer gleich sagen, dass man keine braucht. Nachdem ich die Frage bejahe, muss ich auch noch dafür bezahlen. Klasse, so sollte das überall sein.

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