Himeji, Kobe, Osaka

Der 30.11. ist erneut ein Logistiktag. Fast alles klappt aber zum Glück wie am Schnürchen. Ich fahre von Beppu zurück nach Nagasaki, buche einen Nacht-Fernbus nach Osaka für 20:45 Uhr am Abend, storniere persönlich mein Hostel, das ich 2 Tage zuvor gebucht hatte und bin froh, weil sie mir gleich sagen, dass mir dafür nichts berechnet wird. Danach gebe ich das Auto am Flughafen ab und fahre wieder zurück in die Stadt. Dort gehe ich auf die Post und versende Lavasteine/-sand vom Unzen, Aso und Sakurajima per Post nach Deutschland. Anschließend buche ich meine Unterkunft in Osaka und einen Flug nach Okinawa. Nur die Flugbuchung von Okinawa nach Ishigaki klappt nicht, da die Internetpräsenz in Japanisch ist. Da muss ich wohl am Folgetag mal anrufen.

Nachdem ich auf der Busfahrt in der Nacht zwei mal aufgewacht bin, wache ich erst wieder kurz vor der Ankunft in Osaka am 01.12. um 6:15 Uhr auf. Eigentlich ist der Fernbus eine klasse Sache. Man spart sich gleichzeitig eine Übernachtung. Wer es braucht, hat eine Augenmaske und Ohrenstöpsel dabei. Da ich um diese Uhrzeit nicht in meine Unterkunft möchte und wahrscheinlich auch nicht kann, stelle ich das Gepäck in ein Schließfach am Bahnhof und fahre sofort weiter nach Himeji, wo Japans größte Burg steht. Um 8 Uhr bin ich dort, was viel zu früh für die Touristenauskunft ist. Auch die Burg macht erst um 9 auf. Ich gehe zuerst mal in ein Kaffee und laufe dann gemütlich zur Burg. Als ich meine Kamera für ein Foto einschalten möchte, stelle ich fest, dass der Aku im Ladegerät, dieses im Koffer und dieser in Osaka im Schließfach ist. Das wird wohl ein fotofreier Tag werden. Zuerst stört mich das nicht, weil die Burg zwar schön ist, aber erstens ist es sehr bewölkt und zweitens haben die meisten (Kirsch-)Bäume davor bereits ihre Blätter abgeworfen. Doch zu einer anderen Jahreszeit wäre die Burg ein sehr schönes Motiv. Zum Glück habe ich noch mein iPad dabei und mache damit wenigstens Erinnerungsfotos. Auch das ist zur Ausnahme interessant, da man dann mit einem festen optischen Format Bilder machen muss. Die Burg selbst ist zwar architektonisch ganz schön und diente oft als Filmkulisse, aber da ich in diesem Fall nicht sehr an Geschichte interessiert bin, laufe ich halt durch und schaue mir alles mal an.

Außerhalb der Burg liegt der Koko-en. Erneut bin ich überrascht von der Schönheit japanischer Gärten. Teilweise haben die Ahornbäume noch ihre gelb-orange-roten Blätter, so dass der Garten ein echter Genuss ist. Jetzt vermisse ich daher die Möglichkeit, hochauflösende Bilder machen zu können. Ich mache Halt im japanischen, mit Kirschbaum ausgekleideten Teehaus. Es hat eine Glasfront zum Garten hin, so dass man sich darin ganz verlieren kann. Im und um das Teehaus herum sind einige ältere Frauen mit Ikebana beschäftigt, der japanischen Kunst des Blumenarrangements. Als ich aus dem Teehaus herauskomme, sind die meisten Werke fertig und ich mache von jedem Bilder. Das ist zusätzlich eine Augenweide. Um das Teehaus heraum sind einzelne Gärten mit verschiedenen Themen, jeweils durch Mauern voneinander abgegrenzt, die ich alle durchwandere.

In Deutschland haben wir französische und englische Gärten, vereinzelt kann man auch den Versuch der Imitation eines japanischen Gartens verzeichnen, wie z.B. in München oder Düsseldorf. Doch wäre es schön, wenn man diese hohe Kunst wenigstens vereinzelt großformatiger übernehmen würde. Im ganzen Garten sehe ich hier in Himeji ältere Damen und auch Herren mit Tätigkeiten beschäftigt. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch in Deutschland viele Rentner gäbe, die man für so etwas begeistern könnte. Der Touristenstadtplan veranschlagt 90 Minuten für die Burg und 60 für den Garten als Besuchszeit. Ich denke, dass ich 45 Minuten in der Burg war und mind. 90 Minuten im Garten. Die Bilder aus Himeji von meinem iPad muss ich irgendwann mal nachliefern, vermutlich nach meiner Rückkehr nach Deutschland.

Nachdem ich von Himeji aus wieder in Osaka angekommen bin, hole ich mein Gepäck und mache mich auf zur Unterkunft. Osaka mit den angrenzenden Städten ist ein riesiges Ballungsgebiet, so dass mich die Stadt an Tokyo erinnert. Beim Checkin lasse ich mir von der Vermieterin beim Buchen eines Fluges helfen, da die Webseite nur auf Japanisch ist. Man kann zwar beim englischesprachigen Kundendienst anrufen, was wir auch probieren, dann ist man jedoch in einer gebührenpflichtigen Leitung. Also doch über das Internet. Nach dem Checkin mache ich mich nochmal auf, um die Umgebung zu erkunden. Riesige Einkaufszentren, überall Lechtreklame, Menschenmengen, aus jedem Laden eine andere Musik, wie in Tokyo eben. Ich kaufe mir ein paar T-Shirts, esse etwas. In der Nacht schlafe ich wie ein Stein, scheinbar habe ich nach der Nacht im Fernbus doch etwas nachzuholen.

Am Folgetag (02.12.) mache ich mich auf nach Kobe. 1995 hat hier ein Erdbeben 5000 Menschenleben gefordert. Ganz vereinzelt kann man noch absichtlich belassene Schäden sehen. In einem Film sieht man aus einem Flug gemachte Aufnahmen direkt nach dem Beben. An vielen Stellen brennt es, eingestürzte Häuser, umgestürzte Stehlenstraßen. Heute macht die Stadt auf mich einen versnobten und touristischen Eindruck, abgesehen von kleineren Bereichen um den Bahnhof. Ich probiere das berühmte Kobe-Rindfleisch, besichtige ein paar Sehenswürdigkeiten, schlendere durch Arkaden und das chinesische Viertel. Eigentlich ist heute der erste von mehreren Tagen mit großen Lichtinstallationen, welche jedes Jahr im Dezember zum Gedenken an die Erdbebenopfer gemacht werden. Da ich jedoch noch etwas in Osaka vorhabe und Kobe nicht so der Hit war, fahre ich vor dem Abend wieder zurück.

Wieder zurück in Osaka besichtige ich das Stadtviertel Shinsaibashi. Es ist voller Leuchtreklame, was mich an Tokio erinnert. Dabei sehe ich meinen ersten öffentlichen Mülleimer in Japan. Unglaublich. Und auch noch neben einer Sitzbank. Beim Weitergehen gefällt mir das Viertel immer besser und mir wird bewusst, dass Japan etwas ganz besonderes hat: auf der einen Seite das Festhalten an Tradition/Kultur und auf der anderen Seite die „Moderne“. Die Mode hier im Viertel ist teilweise total abgefahren und derart individuell, dass man sie gesehen haben muss. Diese im Allgemeinen sehr auf Tradition setzende Gesellschaft lässt es zu und manche Leute leben es.

Auf einer Brücke bleibe ich stehen und sehe unten an einem Ufer drei Japanerinnen beim professionellen Karaoketanz. Sie sind entsprechend angezogen und sind voll bei der Sache. Ich schaue eine Weile zu, bevor ich am anderen Ufer einer Gruppe Männer sehe, die ganz begeistert sind und teilweise mittanzen. Wie bei einem echten Konzert. Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Die Mädchen tun so als ob und die Männer stehen voll drauf. Trotz der offensichtlichen Begeisterung bleibt heute sämtliche Unterwäsche am Körper. Sie würden bei dem Versuch, sie ans andere Ufer zu werfen, eh ins Wasser fallen. Hier ist ein Video von der Szene (wenn sich das Video nicht öffnen lässt, müsst ihr die Link-Adresse über einen Rechtsklick kopieren und in einem separaten Fenster öffnen).

Ein Gedanke zu „Himeji, Kobe, Osaka

  1. Hallo Dominik, Detlef und ich haben Fernweh nach Japan, und Du bist Schuld daran!
    Erstaunlich auch, dass Du ein Onsen-Fan geworden bist, und Dein Grundsatz, „Onsen“ ist nicht so mein Ding, losgelassen hast. Gratulation! Deine Fotos und Deine Reports sind der Hit und wir freuen uns von Dir unseren Alltag ein bisschen aufhellen zu lassen. Danke Dir!
    Liebe Grüße von Marina und Detlef

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