Marathon in der Südsee

Eigentlich wollte ich während meiner Auszeit von Japan aus nach Neukaledonien. Türkblaues Wasser, weiße Strände, Bambushütten, Palmen, usw. Doch habe ich dieses Ziel gestrichen, weil es eher für Freunde der Romantik ist. Dafür bin ich am 03.12. in Naha auf Okinawa bei 25°C gelandet.

Gleich nach dem Checkin um 17 Uhr gehe ich auf den zentralen Boulevard und schaue mir auch den Fischmarkt an. Viele der Krebstiere führen einen aussichtslosen Kampf um ihr Leben. Da es schon relativ spät ist, werden sie wohl mind. noch bis morgen so weitermachen. Die Farben der Meerestiere hier habe ich noch an keinem anderen Fischmarkt gesehen, da die Fische wohl aus der Südsee stammen. Sie sind bunt und schön. Alternativ gibt es Rind- und Schweineprodukte, z.B. geschnittene Schweineohren. Irgendwie vergeht mir heute der Appetit auf Fisch und ich belasse es bei gebratenem Reis, der jedoch auch ein paar Fetzen Fleisch enthält.

Am nächsten Tag möchte ich zum Friedenspark mit dem Friedensmuseum. Okinawa war während des zweiten Weltkriegs heftig umkämpft und wurde aufgrund der hohen Verluste auf beiden Seiten als „Insel des Todes“ bezeichnet. Nach dem Krieg hielten die Amerikaner Okinawa besetzt. 1972 erfolgte dann die Rückgabe unter der Einschränkung („Status of Forces Agreement“), dass die Amerikaner große Flächen der Präfektur als Militärstützpunkte nutzen können. Mir ist nicht ganz klar, wie man so etwas als Rückgabe bezeichnen kann. Wie auch immer, die Einwohner Okinawas möchten seit langem, dass die Amerikaner abziehen. Nicht zuletzt haben mehrere Kapitalverbrechen an japanischen Kindern, verübt durch US-Amerikaner, die Situation noch verschlimmert. Im April 2010 forderten 90.000 Menschen den Abzug, bisher jedoch ohne Erfolg.

Als ich mich auf dem Weg zum Busbahnhof befinde, kreist über mir ziemlich tief ein Hubschrauber und ich frage mich, warum. Nur ein paar Minuten später wird es mir klar. Heute findet der größte Marathon Japans in Naha statt. Über 30.000 Teilnehmer laufen über 42 km. Während ich am Straßenrand stehe, scheinen die Massen an vorbeilaufenden Sportlern kein Ende zu nehmen. Einige Läufer haben sehr ausgefallene Kostüme an. Einer läuft sogar Barfuß mit einem Fell bekleidet, vermutlich als Fred Feuerstein. Auch eine blinde Frau sehe ich, welche über einen unterarmlangen Strick mit einer sehenden Läuferin verbunden ist. An dem Tag ist es sehr warum und v.a. feucht, so dass ich höchsten Respekt vor solch einer Leistung habe.

Wie das bei Großveranstaltungen so üblich ist, ist der Verkehr davon stark beeinträchtigt. Zuerst scheine ich auf meinem Weg zum Friedenspark Glück zu haben, denn ich treffe eine Japanerin, welche auch dorthin möchte. Ihr Mann nimmt am Marathon teil und so hat sie Zeit, sich den Park anzuschauen. Wir finden einen Bus in die richtige Richtung und müssten umsteigen, doch der Anschlussbus fährt erst 3 Stunden später wieder. Das ist mir zu lange und ich fahre wieder zurück, ohne den Friedenspark gesehen zu haben. So gammle ich ein wenig herum. Dabei treffe in der Unterkunft Teru und seine Freundin Akina. Als ich in die Stadt möchte, schlagen sie mir vor, doch besser mit an den Strand zu kommen. Städte könne ich mir immer anschauen, meint Teru. So fahre ich mit und eine knappe Stunde später sitzen wir in einem Cafe wie die Hühner auf der Stange mit Blick auf den Strand in der untergehenden Sonne. Beim anschließenden Spaziergang am Strand gelingen ein paar schöne Bilder.

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