Nemo beim Abhängen

Am 05.12. bin ich auf Ishigaki gelandet und bei 27°C aus dem Flughafen gelaufen. Diese Temperatur hat sich später jedoch in Bermudas und Flip-Flops bei einem Mango-Parfait als überaus entspannend herausgestellt. Obwohl ich ein Bett in einem Schlafsaal gebucht habe, bekomme ich ein Einzelzimmer. Ich organisiere mich und schaue, was ich die nächsten 3 1/2 Tage hier machen möchte. Auf jeden Fall abhängen.

Der nächsten Tage werden bei Bewölkung nur 23°C erreichen. Eigentlich will ich mit der Fähre auf die Nachbarinsel Iriomote, doch die Fähre fährt am 06.12. nicht, so dass ich statt dessen auf die Insel Taketomi fahre. Diese gilt als „lebendiges Museum“ der Ryuku-Kultur. Das Zentrum besteht aus traditionellen Häusern mit roten Ziegeldächern, Korallenwänden und löwenartigen Hundefiguren, die als Hauswächter dienen. Die Einwohner haben beschlossen, moderne Elemente zu verbannen. Daher gibt es hier z.B. nur Straßen aus Korallenkieß und keine Ladenketten. Ich miete mir ein Fahrrad und fahre an einen Strand zum Schnorcheln. Das Wasser ist erstaunlich warm und es gibt Fische, die ich sonst nur aus Aquarien kenne. Danach geht es noch an andere Strände, anschließend in das Dorf. Gegen späten Nachmittag bin ich wieder zurück in Ishigaki und hänge ab.

Seit 2004 war ich nicht mehr Tauchen. Man könnte nach so einer langen Zeit eine Auffrischung bei einem Tauchlehrer und eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung machen. Dennoch habe ich für den 07.12. zwei Tauchgänge gebucht. Die Bilder auf den Prospekten und die Werbung meines Reiseführers sprechen dafür. Am Morgen fällt mir noch ein Tauchgang in Spanien von 2004 ein, bei dem mir auf der Bootsfahrt zum Tauchrevier bereits so schlecht wurde, dass ich mich direkt nach dem Sprung ins Wasser übergeben musste und froh war, endlich unter Wasser zu sein. Die Rückfahrt war damals auch nicht besonders angenehm. Heute jedoch geht alles gut. Zur richtigen Jahreszeit sieht man hier wohl jede Menge Mantas und auch Hammerhaie. Heute leider nicht, auch keine großen Fische. Weil es in der letzten Zeit viel geregnet hat und es heute bewölkt ist, ist auch die Sicht nicht so super. Dennoch werden es zwei schöne Tauchgänge mit jeweils um die 50 Minuten bei max. 18 Meter und 26°C Wassertemperatur. Wir sehen Clownfische und andere tropische Fische, Seeschlangen bei der Paarung, Muränen, Schildkröten, ein Seepferdchen und Seeschnecken. Am Abend in der Unterkunft zeigt mir ein Taucher seine Unterwasserbilder. Sie haben eine super Qualität und ich frage ihn, welche Kamera er verwendet. Er holt sie aus seinem Zimmer – ein Riesending. Als ich ihn nach dem Preis dafür frage, meint er nur, der sei ein Geheimnis. Seine Frau zeigt mir ihre unwesentlich kleinere Version. Kulinarisch lasse ich es mir an diesem Tag gut gehen. Den Rest des Tages lasse ich es mir in Ishigaki kulinarisch gut gehen.

Am 08.12. habe ich so viel erlebt, dass ich abends die Fotos brauche, um nochmal alles durchzugehen. Ich leihe mir am Morgen einen Motorroller aus und befahre damit die gesamte Insel. Als erstes geht es 45 km zur Nordspitze der Insel, an der ein Leuchtturm betrieben wird. 15 km davor lege ich noch einen Zischenstopp an einem Aussichtspunkt ein. Die Blautöne des Meeres sind unbeschreiblich. Nachdem ich mir anschließend den Leuchtturm angeschaut habe, mache ich in einem Cafe Pause, welches mir wegen des Ausblicks in die Augen springt. 10 km weiter fällt mir ein weiteres Cafe auf und so trinke ich dort einen indonesischen Kaffee. Auch dieses liegt unweit des Ufers, ist jedoch ansonsten ein Keramikladen, da die Tochter der Chefin diese selbst herstellt. Ein paar Kilometer weiter finde ich den Sunset Beach. Das Wetter ist heute etwas durchwachsen und so ist der Strand menschenleer. Nach dem Schwimmen komme ich später an Mangrovenwäldern vorbei. Bei Ebbe kann man wohl ein Stück weit hineingehen.

Die Natur ist auf der Insel wunderschön, begünstigt durch das Klima. Hier wachsen neben Palmen z.B. auch Bananen und Papaya. Landwirtschaftlich wird Zuckerrohr und Reis angebaut. Doch weiß ich aus der Unterkunft in Naha von der Tochter eines Bauern, dass man auch in Japan als Bauer trotz der sehr hohen Preise für Obst und Gemüse kaum über die Runden kommt. Ihr Vater muss nebenbei noch einer anderen bezahlten Tätigkeit nachgehen. Also geht es dem Primärsektor auch hier nicht anders. Gewinne werden von den Händlern abgegriffen. Was mir übrigens schon in Naha aufgefallen ist: die verschiedensten, handtellergroßen Schmetterlinge in wunderschönen Farben fliegen immer mal wieder über die Straße.

Am Straßenrand fällt mir ein Skulpturenpark auf, welcher in keiner Karte verzeichnet ist. Der Künstler ist gerade am Herausmeiseln einer neuen Skulptur. Beim anschließenden Mittagessen in einem Restaurant, in welchem die Stühle Socken anhaben, muss ich „blind“ bestellen, weil es kein Menü auf Englisch gibt. Meine Auswahl schmeckt hervorragend.

Laut meiner Karte wäre ein traditionelles Dorf das nächste Ziel. Doch komme ich an einem größeren Gebäude vorbei, in dem Keramik hergestellt wird. Tatsächlich gibt es diese Manufaktur erst seit 25 Jahre, doch ist sie bereits weltbekannt. Lokale Gesteine werden zermalen und für die Herstellung verwendet. Glas in Blautönen, welche das Meer symbolisieren, werden mit dem Ton gebrannt. Das Vorgehen dabei erfordert viel Erfahrung, weil sich Glas beim Brennen ausdehnt, der Ton sich aber zusammenzieht. Man kann auch an Kursen teilnehmen, doch geht es dabei nur um die Herstellung der Formen aus Ton.

Anschließend fahre ich zu dem bereits erwähnten Dorf. Hier fliegen derart viele große Schmetterlinge umher, dass ich ihnen hinterlaufe und irgendwie versuche, im mittlerweile nachlassenden Tageslicht wenigstens ein gutes Bild zu schießen. Leider gelingt mir das nicht, weil die Schmetterlinge nicht mal einen kurzen Moment wirklich still sitzen. Ein zu hoher Iso-Wert führt auch nicht gerade zu scharfen Bildern. Das Dorf gefällt mir, u.a. gibt es ein kleines Gehege mit Totenkopfäffchen. Aus irgendwelchen Gründen können sie wohl nicht über den Zaun springen, vermutlich sind die Maschen des Zaunes zu groß. Sie sind sehr zutraulich und werden gerade gefüttert. Anschließend gehe ich noch im Bana Park spazieren, doch ist es fast schon dunkel, so dass ich mich nicht sehr lange aufhalte.

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