Chez le chocolatier

Nach einem weiteren, sehr erholsamen Tag in Ishigaki bin ich für einen weiteren Tag nach Naha in dieselbe Unterkunft, in welcher ich schon zuvor war. Die Jungs dort sind echte Südseetypen. Wir hängen im Raucherraum ab und verbringen einen schönen Abend zusammen, zwischen Übersetzung vom Japanischen ins Englische und zurück. Der folgende Tag ist erneut ein Logistiktag, v.a. Wäsche waschen. Zum ersten mal in meinem Leben verwende ich einen Wäschetrockner, weil ich um 15:35 Uhr nach Osaka fliege und vorher alles trocken sein muss. Dummerweise schrumpft meine Wäsche dabei ein bisschen ein. Meine Jeans geht jetzt nicht mehr bis auf den Boden, sondern nur noch bis ganz knapp über die Schuhkante. Egal, sieht nicht schlecht aus und in Tokio nennt man das Style 🙂 T-Shirts kann ich nachkaufen. Nach dem Austausch von Adressen in der Unterkunft werde ich wie üblich auf Japanisch verabschiedet. Das finde ich immer wieder toll. Beim Abflug von Ishigaki nach Naha am Tag zuvor winkten uns auch schon zwei Personen vom Bodenpersonal am Rollfeld nebeneinander stehend nach und verbeugten sich, obwohl es schon dunkel war und es vielleicht außer mir sonst niemand warnahm – ich winkte natürlich zurück 😉

In Osaka steige ich um 23 Uhr in den Nachtbus nach Tokio. Die Fahrt in dem JR-Fernbus ist äußerst unbequem, im Gegensatz zu der damaligen Fahrt von Nagasaki nach Osaka (mit einer einer anderen Busgesellschaft). Der Bus ist einfach nicht für Nachtfahrten gebaut – die Federung ist so hart, dass man jeden Ruck merkt, die Motorgeräusche sind nicht von der Fahrgastkabine isoliert, bei jedem Halt in einer Stadt vibrieren die Fenster usw. Egal, ich komme um 6:30 Uhr in Tokio an. Beim Austeigen trifft mich zuerst der Schlag, weil ich von 25°C in Naha in gefühlte 5°C in Tokio komme. Zuerst frage ich mich, ob das eine blöde Idee war und ich vielleicht besser noch in Naha geblieben wäre. Der Tag aber zeigt, dass die Entscheidung gut war. In Tokio ist immer was los. Da geht was. Immer entdeckt man Neues. Ich konnte in den ersten fünf Tagen meiner Reise auch nicht alles damals Geplante anschauen.

Zuerst begebe ich mich in meine Unterkunft und stelle mein Gepäck ab. Danach mache ich mich auf in das Viertel Asakusa zum Senso-ji. Es ist mittlerweile 9 Uhr, der Himmel ist wolkenfrei, so dass ein paar schöne Bilder gelingen. Vor dem Tempel befindet sich eine Stelle, an der Gläubige Räucherwerk in einen Sandbehälter stecken und glauben, dass der Rauch eine gesundheitsförderne Wirkung hat. Sie fächern sich diesen daher zu, auch unter die Kleidung. Die 5-stöckige, 55m hohe Pagode ist leider eingerüstet und mit Planen verhüllt. Auch das Amuse-Museum, von dessen Dachterasse aus ich Bilder vom Tempelkomplex machen möchte, ist noch geschlossen. Daher mache ich mich, noch immer ohne Frühstück, in das Viertel Meguro auf, in dem ich den Rest des Tages verbringen werde.

Vom Bahnhof Ebisu gehe ich über den Sky Walk zum Yebisu Garden Place und begebe mich zu meiner Schande und aufgrund Mangels einer wirklichen Alternative eines Frühstücks in einen Burger King. Da es mittlerweile 11 Uhr ist, passt es geschmacklich auch ganz gut. Im Tokyo Metropolitan Museum of Photography schaue ich mir verschiedene Ausstellungen an. Leider darf man keine Fotos machen und im Gegensatz zu Italien, wo man halt doch ab und zu Bilder macht, hält man sich hier an alle Regeln. Spannend sind v.a. die Aufnahmen aus den 70er- und 80er-Jahren in Tokio. Im Museumskaffee entspanne ich danach bei einem Kaffee und einem gut schmeckenden, mit Käse, Schinken und Zwiebeln belegten Toast. Hier essen alle, auch die Japaner, mit Messer und Gabel. Da fällt mir auf, wie selbstverständlich mir die Stäbchen schon geworden sind. Messer und Gabel kommen mir fast schon fremd vor und es wirkt ein bisschen wie die Umstellung von Rechts- auf Linksverkehr, aber ich kann es noch.

Zu Fuß gehe ich zum Park am „Institut für Naturkunde“, welcher sei 1949 der lokalen Flora freien Lauf lässt. Die herbstlichen Farben der Blätter sind auch im Dezember noch schön, obgleich schon viele Blätter abgefallen sind. Die Stadtbahn bringt mich anschließend über einen Umstieg zur Haltestelle Naka-meguro. Hier fließt ein Kanal, den mein Reiseführer empfielt und der, wie auch das ganze Viertel, wohl generell von wenigen Touristen besucht wird. Links und rechts vom Kanal gibt es viele kleine Boutiquen, Friseure, Bars, usw. Es wirkt alles sehr schön, aber lange sagt mir nichts so richtig zu. Doch dann komme ich zum GreenbeanToBar, in dem von der Kakaobohne bis zur fertigen Tafel alles selbst gemacht wird. Das ist an diesem Tag kulinarisch der absolute Hit. Während man an der Theke die Schokolade auswählt, kann man hinten der Conchiermaschine und dem Chocolatier beim Arbeiten zusehen. Ich bestelle zwei Scones und eine Trinkschokolade. Sollte man in der Gegend sein, wäre das ein Pflichtbesuch. Beim Rückweg zur Stadtbahn gehe ich noch an weiteren Cafes vorbei. Das ist eigentlich selten in Japan, weil die meisten Cafes auch Essen servieren, also keine reinen Cafes sind. Dementsprechend beeinträchtigt der Essensgeruch auch den Kaffeegenuss. Um 16 Uhr mache ich mich, ziemlich müde, zur Unterkunft auf.

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