Touristische Höhepunkte

Vor zwei Tagen haben Donima und ich uns um 5:45 Uhr verabredet und sind zum Blumenmarkt gefahren. Dieser liegt an der Howrah-Brücke, die über den Fluss Hugli führt, welcher wiederum die Städte Kolkata und Howrah trennt, ähnlich wie die Donau Budapest in die Teile Buda und Pest teilt. Um diese Tageszeit tanzt am Blumenmarkt bereits der Bär und man muss sich den Weg durch die Massen suchen. Blumen werden hauptsächlich zu religiösen Zwecken erworben. Abgesehen von den Blumen ist die Gegend an/unter der Brücke eher ein verwahrloster Ort.

Anschließend gehen wir zu Fuß über die Howrah-Brücke, einer stählernen Fachwerkkonstruktion mit 85m hohen Pfeilern aus dem Jahre 1943. Verstohlen folgen uns ein paar junge Männer. Donima macht mich auf sie aufmerksam. Ich spreche die Jungs an und sie wollen ein Foto mit mir. Als machen wir ein Gruppenfoto, so dass jeder wieder entspannt seines Weges gehen kann.

Zum Glück ist es sehr bewölkt, dafür mittlerweile aber umso heißer. Meine Wetter-App sagt: „… gefühlt wie 40,6°C“. Genau so fühlen wir uns. Und genauso sehen wir mittlerweile aus.

Auf der anderen Seite der Brücke befindet sich die Howrah Station. Es ist neben der Sealdah Station einer der beiden großen Bahnhöfe, dessen Züge v.a. in andere Städte im Süden und Osten des Landes verkehren. Da ich aufgrund meiner Hautfarbe und Körpergröße überall auffalle, kann ich kaum unbemerkt fotografieren. Zudem bin ich bei manchen Motiven nicht schnell genug. Auch erscheint mir das Fotografieren fremder Leute ohne deren Zustimmung im Bahnhof als nicht angebracht. Ein Teleobjektiv wäre nicht schlecht, doch das habe ich wegen seines Gewichts daheim gelassen. Eine Frau läuft ihre Zähne putzend durch die Wartehalle. Als Zahnbürste (und Zahnpasta) dient ein Miswāk, das ist ein Zweig des Zahnbürstenbaums (kann man auch bei uns in Biomärkten erhalten). Zu schade, dass sie schon wieder vorbei ist, bevor ich ein Foto machen könnte. Man sieht Schlafende, Bettler, Tee-Ausschenker, Lastenträger, insgesamt ein buntes Treiben.

Anschließend machen wir eine Bootsfahrt auf dem Hugli. An der Station „Eden Garden“ gehen wir von Bord, wandern zu einem Hindu-Tempel und schauen bei der rituellen Reinigung der Gläubigen zu. Anschließend nehmen wir das nächste Boot wieder zurück zur Howrath Station und steigen in den Bus. Leider ist es der falsche und wir fahren notgedrungen durch fast ganz Howrath. Sehen können wir leider nicht viel, weil wir im Bus stehen müssen und angesichts der vielen Fahrgäste auch alles geben müssen, um auch stehen zu bleiben. Zwischendurch gibt es noch ein weiteres Fotoshooting mit Zivilpolizisten. Zurück am morgendlichen Ausgangspunkt erholen wir uns erst mal wieder von unserer kleinen Reise.

Gestern fahren wir zum Eco-Park, einer Parkanlage, die das ökologische Bewusstsein steigern soll. Dieses Mal nehmen wir ein Taxi, da das Ziel weit außerhalb des Stadtzentrums liegt und mit Bussen nicht so einfach zu erreichen ist. Unser Fahrer ist ein Muslim. Nicht lange nach Fahrtbeginn hält neben uns ein anderes Taxi an einer Ampel. Die Fahrer kennen sich. Der Fahrer im anderen Taxi sieht mich, schaut dann unseren Fahrer an und führt den von der Faust abgespreizten Daumen über seine Kehle, während er zu mir her nickt. Anschließend fragt er (Donima versteht Bengali), wie viel er von uns für die Fahrt verlangt. 400 sei viel zu wenig, meint er noch, bevor die Fahrt endlich weitergeht. Dass Fremde im muslimischen Kolkata nicht willkommen sind, weiß ich schon. Mit Donima mit mind. 1-2m Abstand durch die Straßen zu laufen kommt hier teilweise einem Spießrutenlauf gleich. Dass es aber Mordgedanken gibt und diese grinsend gezeigt werden ist schon „verwunderlich“. Willkommen im 3. Jahrtausend.

Der Eco-Park vereint verschiedene Themen. Es gibt u.a. einen japanischen Garten, einen Miniaturnachbau des Eifelturms, einen See, auf dem man Boot fahren kann, einen groß angelegten Kräutergarten sowie Imbissstuben. Als wir auf einer Bank sitzen, kommt eine Gruppe Reisender aus Nordindien. Sie schauen immer wieder zu mir und wollen wohl schon verstohlen Bilder machen. Donima spricht mich darauf an und so gehe ich direkt auf die Wünsche ein. Somit auch an diesem Tag ein ausgedehntes Fotoshooting, bis alle ihre Bilder im „Kasten“ haben

Im Park wollen wir auch mal Hand in Hand dahin schlendern. Da ich eine verspiegelte Sonnenbrille trage, kann ich das Starren der Parkbesucher direkt beobachten. Ich möchte hier nicht groß auf religiöse Unterschiede eingehen, aber anhand der Kleidung kann man eindeutig Hindu von Muslim unterscheiden und damit auch den Ausdruck von Abscheu und Ablehnung ziemlich eindeutig einer der beiden Gruppen zuordnen. Wir gehen dennoch Hand in Hand.

2 Gedanken zu „Touristische Höhepunkte

  1. Hallo Bruderherz,
    ja es ist immer bedauerlich, wenn Menschen andere auf Herkunft oder Religion reduzieren. Pass gut auf Euch auf! Wir denken an Euch. Ansonsten scheint sich die Frage wer da wen fotografieren möchte zu drehen. Da wirst Du vielleicht noch berühmt. Der Bericht und die Bilder sind wie immer genial. Was machen denn die Männer im Fluß? Laden die Schlick ins Boot?
    Gruß und weiter einen inspirierenden und schönen Aufenthalt,
    Daniel

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