Spezifika

Nachfolgend einige wenige Eigenheiten im Vergleich zu Deutschland.

Paketversand

Wenn man in Indien über die Post ein Paket versendet, schnürt man das Paket nicht wie in Deutschland selbst zusammen und bringt es dann nur noch zur Post. Statt dessen geht man wie folgt vor:

  1. Man bringt den Inhalt in irgendeinem Behältnis, z.B. einem Rollkoffer, zur Post. Dort zeigt man den Inhalt dem Postbeamten. Wenn das Paket per Luftpost geht, dürfen keine magnetischen Materialien (Computer et al) oder Flüssigkeiten dabei sein.
  2. Hat der Postmann seine Zustimmung zum Inhalt gegeben, geht man vor das Gebäude zu den Packern. Diese verwenden irgendeinen Karton, den sie zur Not auch aus Einzelstücken via Packband zusammenkleben und packen den Inhalt in den Karton. Er wird gut mit Packband verklebt.
  3. Das Paket wird in Stoff eingenäht.
  4. Die Nähte werden alle zehn Zentimeter mit einem echten Wachssiegel versehen.
  5. Die Anschrift wird angebracht.
  6. Das Paket wird gewogen und entsprechend Gewicht bezahlt, der Absender und Sender in den Computer eingegeben.
  7. Das ganze kann einige Zeit dauern, während der man Gespräche mit den Packern führen kann.

Kino

Schon mal in der Schweiz im Kino gewesen? Nein? Dort kommt die Werbung nicht am Anfang, so dass man den Film anschließend ungestört anschauen könnte, sondern ungefähr in der Mitte des Films, so wie es auch im Theater/Oper eine Pause zwischendurch gibt. So ziemlich jeder verlässt dann das Kino, um sich draußen irgendetwas zu kaufen. In Indien ist das auch so. Werbung kommt jedoch wie in Deutschland auch am Anfang.

Zudem wird kurz vor Filmbeginn die Nationalhymne gespielt. Dazu werden (wie bei uns z.B. bei Boxveranstaltungen) alle Zuschauen aufgefordert, sich zur Nationalhymne zu erheben! Dem kommt auch wirklich jeder nach. Die Hände hängen dabei ordentlich links und rechts herunter. Keine Verschränkungen oder so.

Klo

Das mit dem Gang zum Stuhl in Indien ist so eine Sache. Eine andere eben wie bei uns. Organisch ist es praktisch dasselbe, nur das Prozedere ist ein anderes.

Bevor ich darauf eingehe: Für alle Inder, gleich ob gebildet oder ungebildet, arm oder reich, und wohl auch andere Völker der südlichen Hemisphäre, ist es ausgesprochen Ekel erregend, wie „wir“ auf das Klo gehen. Es wird als sehr unrein angesehen. Wenn ich nachfolgend das hiesige Vorgehen beschreibe, wird vielleicht bei dem einen oder anderen auch Ekel aufkommen, aber das ist eben auch genau anders herum.

Die meisten indischen Toiletten sind ein Loch im Boden. Kennt man teilweise aus Frankreich, zumindest von den Campingplätzen. In Indien verwendet man jedoch kein Klopapier, um sich nach dem sprichwörtlichen Gang zum Stuhl zu reinigen. Statt dessen nimmt man in die rechte Hand ein kleines Eimerchen mit Wasser. Man führt es von hinten oder vorne an den Körper, lässt das Wasser über den Körper in entsprechender Haltung fließen und „reinigt“ sich mit der linken Hand. Das erfordert wohl Übung, aber die Inder lernen das ja von klein auf. Nach dieser Reinigung wäscht man sich mit Seife die Hände. Wasser, welches dann noch am Körper ist … na ja … bewegt sich nach dem Aufstehen entsprechend der Schwerkraft.

Für die Inder ist unserer Technik übrigens deshalb eklig, weil wir ja nach der Verwendung von Klopapier unmöglich sauber sein können. Das ist ja alles nur trocken. Toilettenpapier ist hier übrigens sehr teuer. Eine Rolle kostet 200 INR, das sind über 2 Euro. Eine Rolle… Gut ist das für die Wälder, die es hier wohl eh kaum gibt.

Hier gibt es eine genauere Anleitung.

Der Autor kann aus eigener Übung sagen (in genau dieser Reihenfolge): es kostet Überwindung, es geht, es ist sauber, endlich hat man es mal probiert.

Hier und hier übrigens nochmal die Beschreibung japanischer Toiletten zum Vergleich (auf der jeweiligen Seite nach „Toilette“ bzw. „Klo“ suchen)!

Sicherheit beim Einkaufen

Vor kurzem war ich bei Marks & Spencer zum Einkaufen. Sicherheit ist dort oberstes Gebot. Am Eingang steht ein Wachmann, welcher einem die Tasche wie bei uns in der Garderobe im Theater / Oper abnimmt.

Im Laden finden sich fast genauso viele Angestellte zwischen den Regalen wie Kunden. Die an der Kasse bezahlten Waren werden in eine Plastiktüte gegeben, die oben unter dem Griff mit einem Kabelbinder verschlossen wird. Anschließend geht man zum Ausgang, der direkt neben der Kasse ist. Der Wachmann zerschneidet den Kabelbinder und kontrolliert anhand des Kassenzettels die Waren in der Tüte. Wenn alles ok ist, wird der Kassenzettel mit einer Zange gelocht. Man bekommt seine Tasche wieder, die man beim Eintreten in den Laden abgeben musste und verlässt den Laden.

Schlachten

Heute wurden wir Zeuge beim Schlachten eines Huhns. Der Kunde wählt auf dem Markt ein Huhn aus. Dessen Flügel werden nach hinten gefaltet. Der Kopf ebenso. Ein schneller Schnitt durch den Hals. Praktisch gleichzeitig wird es in eine Plastiktonne geworfen. Es dauert geschätzt 10 Sekunden, nach denen kein Geräusch mehr aus der Tonne kommt. Hm, es waren „lange“ 10 Sekunden. Innerhalb von 2-3 Minuten hat der Schlachter das Huhn mitsamt den Federn enthäutet und zerkleinert. Es kommt in eine Tüte und wechselt gegen Geld den Besitzer. Blut sieht man kaum. Männliche „Hühner“, also die Bruderhennen, werden hier ebenfalls groß gezogen und geschlachtet. Alles in allem hört/sieht sich das weniger grausam an als in Deutschland.

Essen

Gegessen wird mit der rechten Hand – aus gegebenen Anlass, der eben weiter oben beschrieben wird. Besteck verwendet man keines. We Indians need to feeeeeeeeel the food! Habe es natürlich auch schon ein paar Mal so gemacht. Derzeit kann ich mir nicht vorstellen, mich daran zu gewöhnen. Vielleicht kommt das ja noch.

Ein Gedanke zu „Spezifika

  1. Das Verständnis von Hygiene ist natürlich so eine Sache. Wie man die Linke ohne die Rechte reinigt hat sich mir dabei noch nicht erschlossen. Also da machst Du spannende Sachen mit. Hoffe Du hast wenigstens im Hotel ein Desinfektionsspray 😉

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