Verkehr

Eine ganz wesentliche Komponente im Erleben von Kolkata ist der Verkehr. Angeblich soll man in italienischen Städten nicht selbst Auto fahren, weil es zu chaotisch sei. Das ist natürlich Quatsch. Für Kolkata würde ich jedoch tatsächlich davon abraten.

Es ist ein rauchiges, verrußtes, wundersames, chaotisches und auch sehr lautes Erlebnis, sich durch die Straßen von Kolkata zu bewegen, ganz gleich mit welchem Verkehrsmittel. Die Hupe ist hier kein Notsignal, sondern ein für den Verkehrsfluss und die Sicherheit erforderliches Mittel genauso wie der Sprit für Kraftfahrzeuge und wird dementsprechend häufig eingesetzt. Jedes Verkehrsmittel hat irgendein Signalgerät. Man kündigt damit ein Überholmanöver an, drückt seinen Ärger aus, warnt Fußgänger, blinkt (dann zeitgleich mit Ausscheren nach rechts oder links), oder man hupt einfach mal nur so. Ohne Hupe wäre es lebensgefährlich. Schlecht für Taube, und taube Blinde haben gar keine Chance. Die bleiben besser Zuhause.

Hier eine möglichst vollständige Liste der verfügbaren Verkehrsmittel in zufälliger Reihenfolge.

Taxi

Das klassische Taxis, abgesehen von den Uber-Taxis, ist der Ambassador in gelbem Anstrich. Die Inder sind sehr stolz auf dieses Auto, welches von 1957 bis 2014 gefertigt wurde. Nicht alle, aber viele Taxis stoßen mit jedem Druck auf das Gaspedal schwarze(!) Rußwolken aus. Platz haben innen v.a. kleinere Leute. Ab 1,80m aufwärts wird es eng. Ich muss meine Beine quer rein legen.

Hersteller war Hindustan Motors Ltd. Für den Verkauf der Rechte (insbesondere der Marke) ging Hindustan Motors vor kurzem ein Joint Venture mit Peugot S.A. (PSA) ein, zu der u.a. die Marken Peugeot, Citroën, DS, Opel and Vauxhall gehören. Sollte die Produktion des Ambassadors wieder aufgenommen werden, so wird es – hoffentlich(!) – ein „modernes“ Fahrzeug werden. Wer möchte, kann sich hier eine Luxusvariante en detail anschauen. Hier weitere Nachrichten über das angemerkte Joint Venture.

Metro

Ja, es gibt eine Metro. Sie war sogar die erste U-Bahn in Indien. Diese ist genauso gut gestopft wie die meisten Busse. Ganz wichtig ist es, den Ausstieg nicht zu verpassen. Zudem sollte man sich vor der Ankunft je nach Körperdichte im Zug unter durchaus kräftigem Körpereinsatz zum Ausgang durchkämpfen. Hat man das verpasst, empfehlt es sich, beim Öffnen der Türen seinen Wunsch zum Aussteigen laut zu verkünden. Ansonsten läuft man Gefahr, eine Station weiter als geplant zu fahren.

Die Züge sind klimatisiert. Fahrten sind schnell und günstig obendrein. Das Netz ist jedoch für eine Stadt dieser Größe minimalistisch. Es besteht nur aus einer einzigen 22km langen Nord-Süd-Linie mit 23 Haltestellen. Eine Ost-West-Linie ist scheinbar angedacht.

Straßenbahn

Ich habe ein paar wenige Male eine Tram gesehen. Sie wirkte völlig deplatziert, zuckelte extrem langsam dahin, wenn sie überhaupt zuckeln konnte, zumindest in der Innenstadt. Keiner der anderen Verkehrsteilnehmer nimmt sie ernst. Im Stau wird sie überholt, auf ihren Schienen hält sogar der Gegen(!)-Verkehr, wenn es zu voll auf der eigenen Spur wird.

Hier gibt es ein schönes, mit Musik hinterlegtes Video. Allerdings sieht die Tram geradezu modern aus ggü. denen, die ich hier gesehen habe.

Flugzeug

Selbsterklärend. Wie andere Flughäfen weltweit.

Tuk-Tuk

Das Verkehrsmittel für kurze Fahrten. Es wird sehr „dynamisch“ gefahren, also mit max. Vorwärtsdrang. Drei Gäste passen hinten rein, einer neben dem Fahrer. Die Preis sind standardisiert. Sie fahren zudem praktisch überall, so dass man meist irgendwo ein und aussteigen kann. Sollte man zu einer der Außenseiten sitzen so sollte man darauf achten, alle Gliedmaßen innerhalb der Fahrzeuggrenzen zu halten, da es bisweilen sehr eng zugeht und Fahrzeug an Fahrzeug sehr nah zusammenkommen.

Fahrrad- und von Menschen gezogene Rikscha’s

Das Wort Rikscha kommt vom japanischen Begriff jinrikisha (jin = Mensch, riki = Kraft oder Antrieb, sha = Fahrzeug). Angeblich ist Kolkata die einzige Stadt weltweit, in der es noch Rikscha’s gibt. Sie sind schon lange sehr umstritten, weil sie als entwürdigend betrachtet werden. Es gibt Fahrer, die das Gefährt nachts als Schlafstätte benutzen, sich morgens und abends an einem der offenen Hydranten waschen und ansonsten arbeiten. Teils sind es Leute vom Land, deren Familien noch dort sind und auf das Geld des Fahrers angewiesen sind. Wohl sind die meisten Gefährte illegal, weil schon seit Jahrzehnten keine Lizenzen mehr vergeben werden, aber die große Masse der lokalen Bevölkerung nutzt nach wie vor Rikscha’s und empfindet dieses durchaus nicht als entwürdigend. Ich selbst habe eine gezogene Rikscha im Januar einmal benutzt. Sie ist wohl eher für kleine Leute gedacht 🙂

Bus

In den Bus steigt man ein oder aus, nicht selten aber springt man auf und irgendwann wieder ab, während der Bus weniger schnell oder langsam fährt. Eine Tür gibt es nicht, diese würde das Auf- und Abspringen nur behindern. Die Männer sitzen auf der rechten, die Frauen auf der linken Seite. Wenn man möchte, kann man hier ins Gespräch kommen. Weil alle in dieselbe Richtung wollen, hat man ein verbindendes Element. Es gibt einen Fahrer und einen Kassierer, der einen ziemlich guten Überblick über die Menschenmasse im Bus hat und genau weiß, wer noch nicht bezahlt hat. Er gibt akustische Zeichen (Klopfen an die Karosserie oder Schreien) an den Fahrer, wenn er halten oder anfahren soll. Abgesehen von der geringen Beinfreiheit ist der Bus eigentlich ganz angenehm, wenn man einen Sitzplatz hat. Muss man stehen, so sollte man kleiner als 1,90m sein. Ansonsten muss man den Kopf schräg legen.

Motorrad

Davon gibt es jede Menge hier! Mit Helm oder auch ohne. Bei der Hitze stellt sich die Frage, ob man lieber durch einen Hitzeschlag oder Unfall ins Krankenhaus möchte. Also führen die meisten einen Helm mit, setzen ihn aber nicht auf. An manchen Tankstellen bekommt man ohne Helm keinen Sprit.

Die meisten Motorräder sind von der Marke Royal Enfield, einer indischen Motorradmarke. Obwohl ich kein Freund von Motorrädern bin, finde ich die Royal Enfield echt toll. Der Klang und das Aussehen sind sehr klassisch. Zudem kann man hier nicht rasen, weswegen das tiefe Klopfen der Motoren keinen Stress erzeugt.

Per pedes

Fast selbsterklärend. Man sollte einigermaßen geschlossene Schuhe tragen, es sei denn, man passt stets sehr genau auf, wo man seinen Fuß hinsetzt. Ich trage halboffene Sandalen. Ansonsten muss man aufpassen, dass man bei einem Zusammenstoß mit gleich welchem anderen Verkehrsmittel wohl den kürzeren ziehen wird. Entfernungen sollte man nicht unterschätzen, auch deshalb, weil man nicht einfach so „gerade aus“ gehen kann.

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